Muriel Brunswig zur Sicherheitslage in Marokko

Aktualisiert im Januar 2020


Immer wieder werde ich gefragt: Ist es sicher, nach Marokko zu reisen? Gerade, nachdem es 2016 vor allem in Nordmarokko verstärkt zu Demonstrationen gegen Polizeiwillkür gekommen ist und zwei junge Mädchen 2018 beim Wildcampen getötet wurden. Es ist nur allzu verständlich, dass bei solchen Meldungen Ängste entstehen und vielleicht sogar der Gedanke aufkommt: Jetzt geht es auch in Marokko los!

 

Zunächst einmal zu den Demonstrationen:  Demonstrationen sind Zeichen einer Demonkratie. Dass sie also stattfinden ist ein gutes Zeichen. In welchem anderen arabischen Land darf man denn sonst so offen gegen Polizeiwillkür demonstrieren, ohne gleich dafür bestraft zu werden? Natürlich kommt es auch in Marokko wieder wieder zu Verhaftungen, aber auch zu Prozessen. Es kam zu Freilassungen und das allerwichtigste: Der König hat sich der Sache angenommen, die Polizeiwillkür im eigenen Land offen eingestanden und angeprangert und nicht nur Maßnahmen dagegen versprochen, sondern auch direkt damit angefangen, Änderungen einzuläuten. Aber natürlich dauern Veränderungen. Gerade der Kampf gegen die Korruption ist in einem Land, das so eine lange Geschichte der Korruption hat, ist auch für einen König nicht leicht zu gewinnen. Zu viele profitieren davon – und man darf nicht vergessen: Es gibt nicht nur einen mächtigen Mann im Land – es gibt viele, Klane und Familien, auf die der König angewiesen ist. Insofern ist es falsch zu schnell zu viel zu erwarten. Wichtig ist doch, es geschieht etwas und es geschieht! Ich persönlich bin sehr zuversichtlich, was die politischen Entwicklungen in Marokko betrifft und freue mich über jeden Schritt, den das Land in Richtung Demokratie und Anti-Korruption macht. Mal ganz davon abgesehen, schaue ich mir den Diesel-Skandal an, sage ich mir: Wer im Glashaus sitzt…..

 

Dann kam es 2018 zu den brutalen Morden an den beiden Skandinavierinnen, die durch die Presse gingen. Ein grausames Verbrechen. Aber eben kein marokkanisches. In Marseille sind nur wenige Monate zuvor am hellichten Tag auch zwei Mädchen getötet worden, auch per Kehlschnitt. Aber ging das durch die Presse? Mitnichten. In Frankreich und Deutschland geschehen mehr Morde als in Marokko. Doch da wir mit Europa vertraut sind, kommt uns dies nicht so schrecklich vor. In Frankreich herrscht seit Jahren inzwischen der Ausnahmezustand. Doch hält es uns davon ab, nach Frankreich zu fahren? Nein, nie und nimmer. Aber hören wir einmal alle paar Jahre etwas erschreckendes von Marokko: Dann ist gleich das Land total gefähr zu bereisen. Das ist schon irgendwie schräg. Verständlich aber schräg. Denn da Marokko weit ist setzen wir Gewalttaten hier und dort nicht in die richtige Relation. Und so kommt es, dass ich immer wieder mit Aussagen konfrontiert werde wie: Marokko ist doch total gefährlich, da wurden doch vor zwei Jahren diese beiden Frauen umgebracht, reise ich nicht hin…. Oder schlimmer: In ein muslimisches Land reise ich zurzeit nicht, da herrscht doch überall die ISIS... oder oder oder… alles irgendwie verständlich. Emotional. Aber eben vollkommen unverhältnismäßig.

 

Meine persönlichen Erfahrungen

 

Ich habe neben meiner Arbeit für TourSerail diverse Buchprojekte unternommen und war deshalb in den letzten fünf Jahren insgesamt über 20 Mal in Marokko. Immer mit Kind. Vielleicht dies einfach mal voraus. Denn es lässt gleich erkennen, dass Marokko sicher ist. Sonst würde ich mein Kind ganz sicher nicht mitnehmen oder mich selbst gefährden und damit mein Kind zum Waisen machen.

Auch meine Kunden, die wie Sie individuell durch das Land gereist sind, zum Teil sogar Kameltouren unternommen haben, also ganz im Süden nahe der algerischen Grenze waren, sind allesamt glücklich und positiv nach Hause gekommen.

Politisch ist in Marokko viel geschehen. Weltweit ist sehr viel geschehen. Und Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber ich habe sowohl meine geplante USA-Reise verschoben als auch eine Paris-Reise. Ich habe Montpellier weit umfahren und nicht, wie geplant, in Nantes gehalten. Warum? Weil auch ich von Angst geprägt bin, wie wohl die allermeisten in diesen Zeiten. Aber meine Angst ist in Frankreich riesengroß. Und in den USA. Außerdem haben wir keinerlei Tunesien-Reisen mehr im Programm und auch Jordanien haben wir komplett zurückgefahren.

 

Der König ist fürsorglich und schlau

 

Nicht so Marokko. Und das hat einen ganz klaren Grund: Marokko ist sicher. Sicherer als alle anderen Länder Nordafrikas, ja, vielleicht sogar sicherer als alle Länder rund um das Mittelmeer - das wage ich jetzt einfach mal zu behaupten. Natürlich ist man nirgendwo auf der Welt wirklich zu 100% sicher. Und natürlich bildet Marokko da keine Ausnahme. Zu Anschlägen kann es überall kommen. Nicht nur in Marokko. Nur: Wenn Sie die Geschichte verfolgen, gerade die jüngste, werden Sie feststellen, dass Anschläge in Marokko SEHR VIEL SELTENER SIND, als in den meisten europäischen Ländern, von anderen arabischen Ländern mal ganz abgesehen... Denn Marokkos König ist schlau, fürsorglich und sorgt mit seiner Politik dafür, dass es wenig Unruhe überhaupt gibt. Natürlich gibt es auch einen sehr engen Überwachungsapparat - in die Wüste darf man nur noch mit Passkontrolle und so weiter. Aber im Land ist es ruhig. Es gab bereits 2011 eine Verfassungsänderung, es gab freie Wahlen, gerade die religiösen Zentren werden streng überwacht und jeder, durch radikale Meinungen oder Gewaltbereitschaft auffällt, wird verhaftet. Tatsächlich bin ich in den letzten Jahren durch das ganze Land gereist - von der algerischen Grenze, entlang des Rifgebirges bis ganz in den Süden. Alleine rund um das Rifgebirge habe ich mich unwohl gefühlt, wegen der Haschischpolitik dort. Aber ich habe - seit Bestehen meiner Tätigkeit als Veranstalterin 1999 - auch noch nie Reisen ins Rifgebirge angeboten und werde es weiter nicht tun.

Was die Medien betrifft - so ist Ihnen sicherlich nicht entgangen, dass selbst Frau Merkel Marokko als "sicher" eingestuft hat und mit Reisen nach Marokko wirbt. Michele Obama ist mit ihren Töchtern immer wieder einmal in Marrakech und zig Hollywood-Stars machen regelmäßig Ferien dort. Cristiano Ronaldo hat ein Haus in Marrakech und plant noch für dieses Jahr die Eröffnung eines Hotels - er täte dies ganz sicher nicht, wenn Marokko gefährlich wäre.

 

Fehlende Bildung und verzerrte Wahrnehmung

 

Junge Männer, vor allem ungebildete, fallen derzeit überall negativ auf. Weltweit. Sie rufen Parolen aller Art. Sie pöbeln und belästigen, wie Nordafrikaner in Köln in der Silvesternacht vor ein paar Jahren oder Neonazis im Osten. Ja, ich werfe sie ganz bewusst in einen Topf. Aber man darf von ihnen nicht auf ein Volk schließen. Weder sind alle Nordafrikaner wie die in Köln noch sind alle Deutschen wie die Neonazi-Brüller. Verstehen Sie, was ich meine? Deshalb ist das Bild in den Medien ein Zerrbild, je nachdem, was die Redakteure gerne sagen möchten. Neutral berichtet wird eigentlich nie.

 

Bei Unsicherheit können Sie sich an die Aussagen des Auswärtigen Amtes wenden - doch selbst die zeichnen ein Bild von Marokko, was weit gefährlicher scheint als die Wirklichkeit ist. Eine sehr gute, realistische Gegendarstellung stammt von Erika Därr, meiner Kollegin und Freundin.

 

Grundsätzlich sollten Sie einfach nach Ihrem Bauchgefühl entscheiden: Wer mit Angst reist, wird ganz sicher keine schöne Reise haben. Da er misstrauisch unter jedem Stein eine Bombe suchen wird - oder einen Skorpion :-).

Ich selbst reise nach wie vor, ständig und immer wieder. Und war ich drei Monate nicht in Marokko, zieht es mich unweigerlich wieder dorthin. Und so werde ich mit Kind und Kegel (oft nehme ich nämlich auch noch die Kinder von Freundinnen mit) immer weiter reisen - zumindest solange die Situation so ist, wie jetzt.

 

Viel Spaß also bei der Planung Ihrer Marokkoreise. Und vielleicht habe ich Ihnen zumindest ein wenig Sorge nehmen können.